Die Stadt der Seelen: Colma zwischen Erinnerung und Gegenwart

In Colma, Kalifornien, einem kleinen Ort gegründet als Necrópolis im Jahr 1924, finden sich die Ruhestätten von 1,6 Millionen Seelen. Diese Stadt, nur zehn Meilen von San Francisco entfernt, hat eine einzigartige Geschichte, die eng mit einer der größten Stadtverlagerungen in der US-amerikanischen Geschichte verknüpft ist. Nach dem Verbot neuer Bestattungen in San Francisco wurde Colma zur neuen Heimat für die Verstorbenen, unter anderem von Berühmtheiten wie Joe DiMaggio, Wyatt Earp und Harvey Milk.

Die Idee, Abschied von den Lebenden zu nehmen, verbindet sich in Colma mit einem respektvollen Umgang mit den Toten. Richard Rocchetta, ein Sohn eines Bestatters und aktives Mitglied der historischen Gesellschaft der Stadt, beschreibt die Atmosphäre: „Man muss sich mehr um die Lebenden kümmern als um die, die unter der Erde liegen.“ Diese Perspektive prägt das Leben in Colma, wo die Toten die lebenden Einwohner um den Faktor 1000 übersteigen.

Die Wurzeln der einzigartigen Stadtgeschichte lassen sich bis ins späte 19. Jahrhundert zurückverfolgen, als die Gedrängtheit der San Franciscoer Friedhöfe in den Nachrichten als Gesundheitsgefahr angeprangert wurde. Die Stadtverwaltung entschloss sich, die Überreste der Toten nach Colma zu verlegen, um Platz für das wachsende Lebensangebot zu schaffen. Zwischen den 1920er und 1940er Jahren wurden über 150.000 Leichname exhumiert und nach Colma überführt.

Die städtische Infrastruktur um die Friedhöfe herum hat sich ebenfalls angepasst. Die Entwicklung von Colma umfasst nunmehr nicht nur die berühmten Friedhöfe, sondern auch Geschäfte, Restaurants und sogar ein Casino, das von Kritikern als sakrilegisch angesehen wird. Doch trotz dieser modernen Annehmlichkeiten bleibt die städtische Identität von Colma eng mit dem Andenken an die Verstorbenen verknüpft.

Laut Daten des Colma Historical Association ist das gesamte Gebiet von 2,2 Quadratmeilen größtenteils von Friedhöfen eingenommen, darunter spezialisierte Friedhöfe für verschiedene ethnische Gemeinschaften, wie italienische, serbische und japanische Gräber. Diese Vielfalt spiegelt sich auch in den Traditionen und Bräuchen der Einwohner wider, die oft in familiären Geschäften tätig sind, die sich auf Bestattungsdienstleistungen und Grabmalherstellung spezialisiert haben.

Die Stadt zieht nicht nur Trauernde an, sondern auch Touristen, die an der Geschichte und den Geschichten interessiert sind. Colma hat sich zu einer Art kulturellem Erbe entwickelt, das nicht nur die Vergangenheit ehrt, sondern auch Raum für die Zukunft bietet. Der Einfluss dieser Erinnerungen wird durch die Geschichten lebendig gehalten, die Generationswechsel überstehen und das kollektive Gedächtnis der Gemeinde prägen.

Besonders in der Halloween-Zeit, in der viele eine düstere Atmosphäre erwarten, betonen die Einwohner die Bedeutung des Staates der Ehrerbietung gegenüber den verstorbenen Nachbarn. Die Stadtverwaltung hat sich zum Ziel gesetzt, den Spaß mit einer gewissen Ernsthaftigkeit zu verbinden, um den Respekt vor den Toten aufrechtzuerhalten und sicherzustellen, dass die Friedhöfe nicht zu Schauplätzen für Gruselszenarien werden.

Colma ist nicht nur ein Ort des Abschieds, sondern auch ein Ort des Gebets, der Reflexion und der Geschichten. Der Fokus der Einwohner auf Gemeinschaft und die Wertschätzung des Lebens zeigen auf, dass trotz der omnipräsenten Präsenz des Todes das Leben in Colma blüht und die Erinnerungen an die Verstorbenen eine Quelle der Stärke und Inspiration darstellen.